2025: Michael Bott

Michael Bott, Masterarbeit am Institut für Geographie und Geoökologie, Karlsruher Institut für Technologie: Einflüsse der Verbuschung auf die Pflanzengesellschaften von Almen im Nationalpark Berchtesgaden

Worum es geht?

Die Verbuschung von Almweiden als Folge von Klimawandel und Veränderungen sozio-ökonomischer Natur stellt eine der Herausforderungen für nachhaltige Almbewirtschaftung dar. Bisherige Untersuchungen haben gezeigt, dass die Wirkung auf die Pflanzenartenvielfalt vom Grad der Verbuschung abzuhängen scheint, Klarheit besteht diesbezüglich aber noch nicht. Die Hauptfragestellung dieser Untersuchung lautet: Wie unterscheiden sich verbuschte und unverbuschte Flächen in Artenzusammensetzung, Zeigerwerten und Strategietypen höherer Pflanzen?
Im Sommer 2024 wurden acht Standorte mit kalkigem Untergrund auf sieben verschiedenen Almen im Nationalpark Berchtesgaden in den Bayerischen Alpen in Deutschland auf einer Höhe zwischen 650 und 1650 m ü. NN untersucht. Wir führten auf verbuschten und unverbuschten Flächen Vegetationsaufnahmen durch. Insgesamt wurden 144 Vegetationsplots à 1 x 1 m² aufgenommen und ausgewertet. 72 Aufnahmen lagen in verbuschten Bereichen mit einer Gehölzdeckung ab 20 % und 72 in unverbuschten Bereichen mit einer Gehölzdeckung kleiner 3 %. Die Daten wurden unter anderem mittels Generalisierter Linearer Modelle sowie direkter und indirekter Ordination ausgewertet.
Die Artenzahlen pro Plot waren in den unverbuschten Aufnahmen höher, die Gesamtartenzahl der Pflanzen allerdings in den verbuschten. Eine Beziehung zwischen Verbuschungsgrad und Artenzahl konnte nicht festgestellt werden. Die verbuschten Aufnahmen waren durch niedrigere Lichtzahlen und zugleich höhere Temperatur- und Nährstoffzahlen gekennzeichnet. Bezüglich der Pflanzenstrategietypen waren die Unterschiede geringer, aber es kamen mehr cs-Strategen in den verbuschten Vegetationsaufnahmen vor.
Ein Teil der verbuschten Aufnahmen gruppierte sich in der Ordination abseits der anderen Plots und war durchschnittlich um 2,5 Pflanzenarten ärmer als die restlichen Aufnahmen. Die Unterschiede bezüglich der Ellenberg-Zeigerwerte zeigten sich in dieser verbuschten Gruppe besonders deutlich. In der verbuschten Gruppe waren vor allem Hochstaudenfluren (Cicerbitetum alpinae) und Lahnerrasen (Laserpitio-Calamagrostietum variae) vertreten. Rotschwingel-Kammgrasweiden (Festuco-Cynosuretum), Blaugras-Horstseggenrasen (Seslerio-Caricetum sempervirentis) und Rostseggenrasen (Caricetum ferrugineae) machten überwiegend die weniger verbuschten Gesellschaften aus.
Die Studie zeigt, dass moderate Verbuschung in unserem Untersuchungsgebiet zu keiner Abnahme der Artenzahl führte, sondern eher zur Steigerung der Beta-Diversität durch ein breiteres Habitatspektrum. Die verbuschte Gruppe unterlag der Sukzession in Richtung Gebüsche und auch Waldeinflüsse machten sich bereits bemerkbar. Durch hohe Verbuschungsgrade kann demnach die Artenzahl abnehmen und die almtypischen Magerrasen können durch konkurrenzstärkere und schattentolerantere Arten verdrängt werden.